Energiepreiserhöhungen

Thema: "Energiepreiserhöhungen"
Veröffentlicht: NWZ
Am: 07.09.2004

 

1. Herr Dr. Boos, auf Unternehmen rollt durch die steigenden Energiepreise eine enorme Kostenbelastung zu.  Beim Gas für die Ziegelindustrie ist von mehr als 20 Prozent die  Rede. Kann  man als Unternehmen gegensteuern, auch in der genannten Größenordnung?
 
Ziegeleien benötigen Erdgas für den Brennprozeß und sind damit in hohem Maße vom Gaspreis abhängig. Trotzdem können sie ihren Energieverbrauch in anderen Bereichen, z.B. bei der Herstellung der Rohlinge oder der Trocknung der Steine reduzieren.
 
2. Können Sie ein Beispiel nennen?

Bei einer Klinkerziegelei haben wir bereits vor etlichen Jahren durch die elektronische Steuerung des Trocknungsprozesses erreicht, daß die durchschnittliche Trockendauer um zwei Tage verkürzt wurde und die Ausschußquote erheblich sank. In zwei Krankenhäusern haben wir durch Sanierung der Heizzentralen den Gasverbrauch um 23 bzw. 27% gesenkt. Derzeit arbeiten wir mit dem Airbus-Werk Nordenham an einer Senkung der Stromkosten für Beleuchtung, Heizung und Lüftung.
 
3. Investitionen in moderne, energieeffiziente Anlagen kosten Geld, das vielen Firmen zurzeit fehlt. Wie schnell können sich solche Investitionen amortisieren?
 
Man muß ja nicht gleich die ganze Anlagentechnik erneuern. Nach unseren Erfahrungen amortisieren sich gezielte Investitionen in die Regelungs- und Steuerungstechnik in ein bis drei Jahren. Das kann ein Unternehmen auch heute noch selbst finanzieren. Für umfangreichere Sanierungen gibt es nach wie vor günstige Darlehen, z.B. von der KfW zur energetischen Gebäudesanierung.
 
4. Was kann die Politik in diesem Zusammenhang besser machen?

In anderen Bundesländern gibt es bereits öffentliche Richtlinien für das sogenannte Einspar-Contracting. Dabei werden die Investitionen über die später erzielten Einsparungen ganz oder teilweise finanziert. Dieses wirksame Instrument wird leider in Niedersachsen noch zu wenig eingesetzt.

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